Plauen, Theater Plauen Zwickau, Silvestergala 2015 – Jetzt geht´s los!, IOCO Aktuell, 10.01.2016

Januar 9, 2016  
Veröffentlicht unter IOCO Aktuell, Theater Plauen Zwickau

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Theater Plauen Zwickau

Theater Plauen-Zwickau © Theaterfotograf Peter Awtukowitsch

Theater Plauen-Zwickau © Theaterfotograf Peter Awtukowitsch

Silvestergala 2015 im Vogtlandtheater
„Jetzt geht’s los“

Silvesterkonzerte, so lehren unsere Medien, finden nur in der Dresdener Semperoper, im Wiener Musikverein und im Münchner Nationaltheater statt. Auf dem Land, so ist es wohl, klingt das alte Jahr mit Kuhglocken und Rentierschlitten aus. Doch IOCO weiß es besser. Wir erlebten im Theater Plauen im schönen sächsischen Vogtland am 31. Dezember 2015 eine packende Silvestergala. Lutz Behrens berichtet aus Plauen:

Plauen / Altes Rathaus und Spitzenfest © Stadt Plauen / Fotograf Fotograf Igor Pastierovic

Plauen / Altes Rathaus und Spitzenfest © Stadt Plauen / Fotograf Fotograf Igor Pastierovic

Zu Silvester weiß man in Plauen seit Jahren, was man kriegt: Dreimal am Stück die Gala im Vogtlandtheater. In diesem Jahr unter dem Motto „Jetzt geht’s los!“ Erwartet wird ein gediegenes Programm mit Musik, Gesang, Tanz. Ist’s dazu noch witzig, freut sich das Publikum.

Betritt mit blasser Miene ein Theaterverantwortlicher vor einer Vorstellung die Bühne und verkündet mit schwacher Stimme, ein technischer Fehler müsse erst noch behoben werden, dann ahnt das Publikum nicht sogleich, dass es charmant auf den Arm genommen werden soll. Zu dicht folgten im Theater Plauen in letzter Zeit Einschläge, die das Haus beutelten. Schlechte Nachrichten gehören in Plauen inzwischen zum täglich Brot der Theaterleute und des treuen Publikums. Doch diesmal, am 31.12.2015, war’s ein Scherz, zudem angelegt als ironisches sich selbst Auf-den-Arm-nehmen einer Institution, die sich mit lockerer Selbstironie nicht immer leicht tut. Operndirektor Jürgen Pöckel trat als der Gala angemessen gekleideter,  als wortgewandter, intelligenter Moderator auf, der sich im Verlauf des Abends zu seinem Leidwesen immer wieder mit den unterschiedlichsten Vertretern des Theaters „auseinander setzen“ mußte: Alle gespielt von ein und derselben Schauspielerin, der mit witzig-komischen Qualitäten reich gesegneten Nadine Aßmann, die zudem noch hinreißend singen konnte und der aus jeder Falte ihres knappen, knallroten Kleidchens pure Erotik sprang.

Plauen / Nadine Aßmann © Chris Gonz

Plauen / Nadine Aßmann © Chris Gonz

Der von Aßmann wohltuend zurückhaltend gespielte Running Gag machte Spaß. Denn ob als burschikose Reinigungskraft, autoritär-hochnäsige Chefsekretärin, leicht derangierter Pförtner, verklemmt-tollpatschige Dramaturgin mit obligatorischem Doppelnachnamen oder eben auch als frisch engagierte Schauspielerin:

Nadine Aßmann gelang es mit ansonsten naturgemäß eher banal daherkommende Ansagen, mit Scherz, Schnauze und Ironie abwechslungsreich und witzig zu unterhalten. Wenn auch die meist hintergründigen Anspielungen („Nur Fundus!“) einem eher selten ins Theater gehenden Publikum nicht immer die erwarteten Lacher entlockten.

Paris / Grabmal Gioacchino Rossini © IOCO

Paris / Grabmal Gioacchino Rossini © IOCO

Musikalisch bot die Gala heitere, leichte Kost: mit eingängigen Kompositionen von  Jacques Offenbach, Gioacchino Rossini, Giacomo Puccini oder auch Frederic   Loewe, Andrew Lloyd Webber und Franz Lehár konnte nichts schiefgehen. Zumal mit den Damen Johanna Brault, Julia Ebert und einer blendend aufgelegten Judith Schubert und den Herren Hinrich Horn (herrlich sein „Gigi“!), John Pumphrey und Shin Taniguchi Ensemblemitglieder aufgeboten wurden, die für Qualität bürgen.

Maxim Böckelmann, der auch am Klavier brillierte, leitete souverän das Philharmonische Orchester Plauen Zwickau. Tänzerisch anspruchsvoll und ästhetisch überzeugend die Damen und Herren des Balletts; die Choreografien besorgte Thomas Hartmann. Nicht zuletzt prägten sich die Sängerinnen und Sänger des Opernchores (Einstudierung Friedemann Schulz) durch Stimmkraft, Freude am Singen und Dynamik ein. Die Bühne (Mia Soßna; auch Kostüme) präsentierte sich mit Schleiern und Vorhängen eher konventionell, erreichte aber auch durch Lichteffekte prächtige Wirkungen.

 Wien / Franz Lehár Stadtpark © IOCO

Wien / Franz Lehár Stadtpark © IOCO

  Erinnern Sie sich an Silvester 2009? Damals hatte Generalintendant Roland May gerade seine Arbeit in Plauen begonnen und moderierte eine zeitlich etwas zu kurz geratene, avantgardistisch anmutende Silvestergala noch selbst. Seitdem hat sich manches geändert. Geblieben sind zum Jahreswechsel die drei stets ausverkauften Vorstellungen (wir waren ab 19.30 Uhr dabei), und Modernistisches kommt eher seltener vor. Die diesjährige Gala am letzten Tag dieses Jahres war kurzweilig, in der musikalischen Zusammenstellung gelungen und künstlerisch von hoher Qualität. Wie sehr es funktionierte, zeigte eher unfreiwillig eine Dame. Ihr ging die Musik so ins Blut, dass sie es nicht vermochte, dem Takt der Melodien zu widerstehen; in den 75 Minuten der Gala bewegte sie sich, zugegeben zurückhaltend, hingerissen rhythmisch hin und her – wenn das nicht der Beweis für einen erfolgreichen Abend ist.

 Lutz Behrens / 10.01.2016

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