Plauen, Theater Plauen Zwickau, Neujahrskonzert 2016 – Im Vogtlandtheater, IOCO Aktuell, 11.01.2016

Januar 9, 2016  
Veröffentlicht unter IOCO Aktuell, Theater Plauen Zwickau

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Theater Plauen Zwickau

Theater Plauen-Zwickau © Theaterfotograf Peter Awtukowitsch

Theater Plauen-Zwickau © Theaterfotograf Peter Awtukowitsch

Neujahrskonzert 2016 im Vogtlandtheater Plauen

„Wär‘ es auch nichts als ein Traum vom Glück“

Silvester- und Neujahrskonzerte, so lehren uns die Medien, finden nur in der Dresdener Semperoper, im Wiener Musikverein und im Münchner Nationaltheater statt. Auf dem Land, so die Medien, künden Kuhglocken und Rentierschlitten vom  Jahreswechsel. Doch IOCO weiß es besser. Lutz Behrens erlebte im Theater Plauen im schönen sächsischen Vogtland ein packendes Neujahrskonzert und berichtet von dort:

Plauen / Altes Rathaus © Stadt Plauen / Fotograf Andreas Wetzel

Plauen / Altes Rathaus © Stadt Plauen / Fotograf Andreas Wetzel

Theaterleute sind abergläubisch; auch in Plauen! Viele ungeschriebene Gesetze gelten im Theaterleben; auch Irrationales ist im Spiel. Star des Abends im Neujahrskonzert 2016 des Vogtlandtheaters sollte die Sopranistin Ingeborg Schöpf sein. Doch Ingeborg Schöpf sagte ab, am Morgen des Konzerttages.  Gutes oder eher schlechtes Omen?

Zum Empfang des Fördervereins des Theater Plauen, unmittelbar vor dem Neujahrskonzert, setzte Generalintendant Roland May dessen Mitglieder ins Bild: „Der Star des Neujahrskonzertes, die Sopranistin Ingeborg Schöpf von der Staatsoperette Dresden, sei indisponiert. Seit dem Vormittag bemühe er sich intensiv, den Konzertabend zu retten, ein Ausfall des Konzertes sein undenkbar!“ Alle harrten nun gespannt wie erwartungsfroh der Dinge, die am 1.1.2016 im Vogtlandtheater kommen würden.

Blick zurück: Ingeborg Schöpf nutzte zum ZDF-Silvesterkonzert der Staatskapelle Dresden 2012 in der Semperoper ihre Chance. Sie sprang dort mit Erfolg kurzfristig für eine erkrankte Kollegin ein. Das Neujahrskonzert 2016 des Theater Plauen war nach Absage von Frau Schöpf in rein männlicher Hand …

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Theater Plauen / Jason Kim © Chris Gonz

Das zeigte sich sogleich beim dritten Titel des Abends: die dem Neujahrskonzert seinen Titel gebende Arie „Wär‘ es auch nichts als ein Traum vom Glück“ aus der Lehár-Operette Eva, sang mit kaum zu überbietender Emphase Wolfgang Dosch! Dosch, der erneut als Moderator engagiert und auch für die Konzeption des Konzertes verantwortlich war, ließ erst gar keine Enttäuschung des Publikums aufkommen, sondern führte souverän durch den Abend, der zudem mit einem prächtig aufgelegten Jason Kim einen grandiosen Sänger auf die Bühne des Theaters brachte.

Das Programm, von Generalmusikdirektor Lutz de Veer dirigiert, bot in abwechslungsreicher Folge bekannte Walzer, Schnellpolkas und Ausschnitte aus mehr oder weniger bekannten Operetten. Einige der vorgesehenen Titel mussten gestrichen werden, dafür sang Jason Kim ein schmelzendes „Dein ist mein ganzes Herz“ aus Das Land des Lächeln“ von Franz Lehár, und auch in einem zusätzlichen Duett ergänzten sich Jason Kim und Wolfgang Dosch erfolgreich.

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Theater Plauen / Lutz de Veer © Chris Gonz

An den Musiker/-innen des Philharmonischen Orchesters Plauen Zwickau schien die Aufregung um die kurzfristigen Programmänderungen nicht ganz spurlos vorübergegangen zu sein. Nicht immer stellte sich – bei allem sichtbaren Bemühen – der locker- Theater Plauen heitere Schmiss und Schwung ein, den die Titel versprachen. Vielleicht trug zu diesem meinem Eindruck auch eine Familie bei, die unmittelbar vor mir Platz genommen hatte: Drei noch sehr junge Damen langweilten sich sichtlich und die Frau Mama brachte es fertig, ungeniert des Öfteren eine Wasserflasche, wenn auch mit heimischen Brambacher, an den Mund zu setzen…  Wann wird Popcorn im Theater endlich salonfähig?

Wien / Grabmal Robert Stolz © IOCO

Wien / Grabmal Robert Stolz © IOCO

Der temperamentvolle Wolfgang Dosch, im Theater Plauen hatte er schon einmal das Neujahrskonzert moderiert und unlängst den Vogelhändler inszeniert, offerierte nicht nur heiter Anekdotisches über die aufgeführten Komponisten. Er scheute durchaus politischen Tiefgang und Ernsthaftigkeit nicht, so bei Robert Stolz. Von ihm berichtete Dosch, dass dieser eine Reihe von jüdischen Mitbürgern gerettet habe und 1938 nach dem „Anschluss“ Österreichs aus Ablehnung des Nationalsozialismus seine Heimat verließ, um in den USA im Exil zu leben. An anderen Stellen der Moderation, auch das sei gesagt, wäre weniger mehr gewesen.

Vor dem obligatorischen Radetzky-Marsch, mit dem auch im Theater Plauen jedes Neujahrskonzert enden muss, intonierte das Orchester frisch und lebendig die Schnellpolka Ohne Sorgen von Joseph Strauss. Wenn das kein gutes Omen ist.  Lutz Behrens / 09.01.2016

 

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