Fernando Corena, Mozart Concert Arien, IOCO CD-Rezension, November 2014

November 20, 2014  
Veröffentlicht unter IOCO - CD-Rezension

Fernando Corena - Bild : amazon / Partnerprogramm

Fernando Corena – Bild : amazon / Partnerprogramm

Fernando Corena singt Cimarosa und Mozart Arien

Mozart Concert Arias I Il Maestrió di Capella CD Neuerscheinung

DECCA durchforstet weiter ihren Back-Katalog und dabei kommen interessante, und teils weniger aufregende Alben auf den Markt. Gelegentlich auch Alben, die schon als LP nicht liefen, wie beispielsweise das Recital mit Ursula Farr.

Umso erfreulicher, dass man nun zwei Aufnahmen des Schweizer Bassisten Fernando Corena  (Vater Türke, Mutter Italienerin) wieder veröffentlichte. Der 1916 in Genf geborene Corena gehörte zu den meist beschäftigten Sängern seiner Generation. Er war ein Bass-Buffo mit einer unverwechselbaren Stimme. Zahlreiche Aufnahmen bestätigen das. Corena starb 1984 in Lugano.

Er studierte zunächst Theologie, ließ sich aber dann auf den Rat des Dirigenten Vittorio Gui in Mailand von Enrico Romani zum Opernsänger ausbilden. Sein Debüt auf der Bühne machte er 1947 in Triest als Bettelmönch Waarlam in MussorgskysBoris Godunow“. Schon sehr bald folgte eine internationale Karriere. Schon 1948 sang er an der Mailänder Scala. 1953 gab er sein MET-Debüt. Die ersten Rundfunk-Aufnahmen für CETRA entstanden.

Schon in den 1950er Jahren wurde er Exklusiv-Künstler der DECCA. Es entstanden viele exemplarische Aufnahmen, wie “L`Elisir d`Amore“ von Donizetti (mit Hilde Güden und Giuseppe di Stefano). Sein außerordentlicher Leporello in Don Giovanni ist gleich in drei Aufnahmen dokumentiert (unter Josef Krips, Dimitri Mitropoulos und Karl Böhm). Seit den 1960er Jahren sang er regelmäßig bei den Salzburger Festspielen.

Eine Bühne, auf der er regelmäßig gastierte, war die Wiener Staatsoper. Dort sang er von 1963 – 1982 neun Partien in 74 Vorstellungen. Allein 32mal seine Lieblingspartie, den Bartolo in RossinisIl Barbiere di Siviglia“. Den Bartolo sang er auch 1956 im Studio unter Alberto Erede.

Beide CD`s, die jetzt auf den Markt kamen, könnten nicht unterschiedlicher sein. Das Mozart-Recital mit Arien aus “Le Nozze di Figaro“, “Don Giovanni“, “Zauberflöte“ und den Konzert-Arien, erfüllte schon als LP höchste Ansprüche. Fernando Corena ist nicht nur ein fabelhafter Sänger, sondern auch ein exzellenter Gestalter. Die drei begleitenden Orchester sind erste Klasse und die Herren am Pult, Alberto Erede, Peter Maag und Argeo Quadri verstehen ihr Handwerk.

Als Füllsel ist eine Preziose erster Güte aus dem Jahr 1954 überspielt. Es handelt sich um die köstlich-komische Kantate “Il Maestro di Capella“  von Demonico Cimarosa. Das Stück ist eine grandios gelungene Verulkung kapellmeisterlichen Gebarens. Da konnte Corena sein komisches Talent ausspielen und er macht mit lockerem Parlando und vielen komischen Pointen kapellmeisterliche Willkür und ihre aufgeblasene Eitelkeit plastisch hörbar. Der Dirigent Bruno Amaducci und das Mailänder Orchester unterstützen das mit Spritzigkeit und Brillanz.

Die zweite CD-Veröffentlichung ist grenzwertig. Allein der Titel “Corena in Orbit“ gibt Rätsel auf. Wenn man die Aufnahme gehört hat, wundert man sich schon. Denn es sind auf dieser CD nur die Bonus-Tracks interessant. Insbesondere die Arien aus Opern von Rossini und Donizetti, in denen Corena seine ganze Meisterschaft aufbietet. Diese wären gut aufgehoben in der “Umlaufbahn eines Satelliten“, wie auch noch die neapolitanischen Lieder. Alle weiteren Titel sind ein bunter Mischmasch von Musical und Operettenliedern, Chansons Musette-Liedern und Canzonen. Corena tut sich sehr schwer damit.

Der Titel “Tonight“ von Bernstein überzeugt weder vokal noch in der musikalischen Gestaltung. Die danach folgenden sechs Titel hört man en passant. Die drei deutschen Titel von Sieczynski sind einfach peinlich und nicht nur des schlechten Deutschs wegen. Sie sind nicht seine Sache. Auch die geschmacklosen musikalischen Arrangements, die auch einen Hintergrundchor einschließen, sind keine Ohrwürmer. Bleiben die vier Operntitel darauf und der Schlager “Domino“, den Corena in der Gala des Prinzen Orlowsky in der legendären “Fledermaus“ unter Karajan sang. Nicht gerade viel.

Der Klang der beiden CDs ist sehr gut im Rahmen der Möglichkeiten und die äußere Aufmachung optimal. Interessant ist die Tatsache, dass man auch vor 50 Jahren schlecht Korrektur gelesen hat. Auf der Reproduktion des Original-Etiketts liest man “Wein, Wein nur Du allein“ statt “Wien, Wien nur Du allein.

IOCO / UGK / November 2014

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