Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Premiere The Turn Of The Screw – Spannend und geheimnisumwittert, IOCO Kritik, 04.05.2012


Kritik

Deutsche Oper am Rhein

Premiere Benjamin Britten “The Turn of the Screw“ 04.05.2012

Spannend und geheimnisumwittert,Brittens “The Turn of the Screw”

Deutsche Oper am Rhein Eleanor Burke (Flora), Harry Oakes (Miles), Sylvia Hamvasi (The Governess)_FOTO: Hans Jörg Michel

Sie ist ein großer Wurf, Brittens Kammeroper “The Turn of the Screw“. Benjamin Britten schrieb das Werk für die English Opera Group. An deren Gründung 1947 war er maßgeblich beteiligt, deren Ziel die Schaffung und Pflege von Bühnenwerken in kleinem Rahmen bildete. 1954 wurde das Werk unter Brittens Stabführung am Teatro La Fenice in Venedig uraufgeführt. Es basiert auf einer spannenden, geheimnisumwitterten Erzählung von Henry James, die auch einige Male verfilmt wurde. In den 1960er Jahren lief das Werk an deutschen Bühnen unter dem Titel “Die sündigen Engel“.

Der Schauplatz ist ein herrschaftlicher Landsitz auf dem zwei Kinder unter der Obhut der Haushälterin Mrs. Grose leben. Eine neue Gouvernante bekommt den Auftrag, die weitere Erziehung der Kinder zu übernehmen. Doch die “aufgeweckte Fröhlichkeit der Kinder“  wird überschattet von spukhaften Erscheinungen. Miss Jessel und Mister Quint, ehemalige Angestellte, die auf ungeklärte Art ums Leben kamen, scheinen auch als Tote noch Einfluss auf die Kinder zu haben.

Nach den erfolgreichen Inszenierungen von “Peter Grimes“ und “Billy Budd“ nahm nun die Rheinoper zum dritten Mal ein Werk Brittens in den Spielplan auf (in Kooperation mit der Oper Leipzig).

Dieses subtile Kammerspiel in zwei Akten und einem Prolog, ist aufgeteilt in acht Szenen. Wie bei den ersten beiden Werken übernahm wieder der deutsch-türkische Regisseur Immo Karaman die Inszenierung. Karaman lässt in seiner handwerklich ungemein kompetenten Arbeit einiges offen in dieser rätselhaften und vieldeutigen Handlung. Bewusst, wie er in einer Pressenotiz verlauten ließ. “Nichts ist eindeutig, greifbar oder erklärbar“. Karaman will das Publikum anregen, sich der eigenen Fantasie zu stellen. Spukgeschichte oder Psychodrama? Es gibt keine eindeutige Antwort.

Aber eine kolossale Spannung gibt es, klug und raffiniert aufgebaut bis zur finalen Katastrophe, dort wo die letzte Windung der sich drehenden Schraube ihr Ziel erreicht. Großen Anteil an dieser Arbeit hat auch die schlüssige Choreographie von Fabian Posca, Karamans Partner und langjährigem Mitarbeiter. Aber mehr noch fasziniert das raffinierte, stimmungsvolle Bühnenbild von Kaspar Zwinpfer und die subtile, effektvolle Lichtregie von Michael Röger. Vervollständigt wird das Gesamtbild durch die stilistisch einwandfreien Kostüme von Marie-Luise Walek, die die Zeit in den 1950er Jahren fabelhaft widerspiegeln.

Musikalisch war die Produktion in allen Komponenten ein Glücksfall.     

Wen-Pin Chien hatte die musikalische Leitung. Das vierzehnköpfige Orchester spielte sehr motiviert auf siebzehn Instrumenten Brittens farbige, aber auch in dieser kleinen Orchesterbesetzung vielfach dramatische Musik.

Die Sänger waren geradezu ideal besetzt. Sie vermittelten großartig in ihrer musikalischen und darstellerischen Präsenz dichte, glaubwürdige Rollenporträts.

Ob Marta Marquez (Mrs. Grose) Sylvia Hamvasi (The Governess), Anke Krabbe (Miss Jessel), Corby Welch (The Prologue / Peter Quint) und die Tänzer der Doubles von Miss Jessel und Quint, alle hatten in den fabelhaft, natürlich agierenden Kindern starke Konkurrenz.

Für die Rollen von Miles und Flora wurden vier Kindersolisten aus Großbritannien engagiert, die alternierend in den Vorstellungen auftreten werden. An diesem Premierenabend waren Eleanor Burke als Flora und der gut klingende aber insbesondere darstellerisch intensive Harry Oakes als Miles zu erleben.

Das recht zahlreich erschienene Publikum zeigte sich sehr angetan und spendete lang anhaltenden, herzlichen Beifall.

Wer außergewöhnliches, spannendes Musiktheater liebt, dem kann diese Produktion nur empfohlen werden. Es lohnt sich.

IOCO / UGK / 04.05.2012

Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf – Alle Karten Hier :
Karten Kaufen

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>