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Wien, Volksoper Wien, Premiere Die spinnen die Römer, IOCO Kritik, 17.12.2011


Kritik

Volksoper Wien

Die spinnen, die Römer!  von Stephen Sondheim, Premiere am 17.12.2011

oder: Pseudolus, alias Robert Meyer, hat das Sklavendasein satt

Volksoper Wien, Robert Meyer (Pseudolus), Bettina Mönch (Philia), Paul Schweinester (Hero)  (c)Rita Newman/Volksoper  Volksoper Wien, Robert Meyer (Pseudolus), Bettina Mönch (Philia), Paul Schweinester (Hero)  (c)Rita Newman/Volksoper  Volksoper Wien, Florian Spiess (Miles Gloriosus), Robert Meyer (Pseudolus)  (c)Barbara Palffy/Volksoper

Eingedenk der in Studentenzeiten genossenen Verfilmung mit dem deutschen Titel “Toll trieben es die alten Römer” unter der Regie Richard Lesters mit dem phantastischen alten Buster Keaton als Erronius in seiner letzten Rolle aus dem Jahr 1966 waren die Erwartungen an die Premiere in der Wiener Volksoper entsprechend hoch.

Und, um es gleich vorweg zu sagen, sie wurden nicht enttäuscht! Dazu ist es der Direktion der Volksoper auch noch gelungen, den Innsbrucker Universitätsprofessor und derzeitigen österreichischen Bundesminister für Wissenschaft und Forschung, Karlheinz Töchterle, für einen gehaltvollen Beitrag zum Thema Komödie im Programmheft zu gewinnen.

Ein sichtlich bestens gelaunter David Levi dirigierte das Orchester schwungvoll und temporeich durch die in bester Musicaltradition komponierten Melodien Stephen Sondheims, der Ende der 1950er Jahre mit Leonard Bernstein zusammengearbeitet und dabei für “West Side Story” und “Gypsy” Song-Texte verfasst hatte. Das Musical “A Funny Thing Happened on the Way to the Forum” mit seiner aberwitzigen Handlung, die aus den schon in der Antike sehr erfolgreichen Komödien des Titus Maccius Plautus von Burt Shevelove und Larry Gelbart kompiliert wurde, erlebte schließlich 1962 seine Uraufführung am Broadway und verhalf dem Komponisten zum Durchbruch. Die amerikanischen Texte wurden 1987 von Martin Flossmann kongenial ins Deutsche übertragen und waren im Wiener Simpl erstmals zu hören.

Volksoper Wien, Bettina Mönch (Philia) (c)Barbara Palffy/Volksoper   Volksoper Wien, Herbert Steinböck (Senex), Boris Pfeifer (Hysterium), Robert Meyer (Pseudolus), Sigrid Hauser (Maxi Lycus)  (c) Barbara Palffy/Volksoper  Volksoper Wien, Paul Schweinester (Hero)  (c)Barbara Palffy/Volksoper

Durch die unaufdringliche Regie Werner Sobotkas konnte sich das verrückte Spiel mit seinen Verwirrungen und Komplikationen völlig natürlich entfalten und riss so das Publikum zu Lachstürmen hin. Getragen wurde die Aufführung vor allem vom Prinzipal des Hauses, Robert Meyer, der in der Rolle des Sklaven Pseudolus, der das Sklavendasein satt hat und endlich freigelassen werden möchte, alle Register seines bekannten Komödiantentums vom fulminanten Beginn bis zum Happy End zog.

Umgeben war er von einem Ensemble, das ihm in Spielfreude und Temperament um nichts nachstand. Als sein Gegenspieler Hysterium, Sklave im selben Haushalt wie er selbst und von ihm schließlich erfolgreich für seine Zwecke eingesetzt, agierte höchst überzeugend der immer aufgeregte und nervöse Boris Pfeiffer (“Ich bin ganz ruhig…”). Die Herrin des Haushalts gab Dagmar Hellberg als herrschsüchtige Domina, die den Pantoffelhelden Senex (Herbert Steinböck) bei seinen vergeblichen Versuchen, aus dem ehelichen Joch auszubrechen, erfolgreich unter Kontrolle hatte.

Volksoper Wien, Sigrid Hauser (Maxi Lycus), Kurtisanen  (c) Barbara Palffy/Volksoper   Volksoper Wien, Herbert Steinböck (Senex)  (c)Barbara Palffy/Volksoper  Volksoper Wien, Boris Pfeifer (Hysterium), Gernot Kranner (Erronius), Drei Soldaten, Robert Meyer (Pseudolus), Florian Spiess (Miles Gloriosus), Herbert Steinböck (Senex), Dagmar Hellberg (Domina) (c)Barbara Palffy/Volksoper

Ihr noch unschuldiger Sohn Hero (Paul Schweinester) schmachtete zum Herzerweichen seine ebenfalls noch jungfräuliche Philia (Bettina Mönch) an, die weder kochen, rechnen noch lesen kann, dafür aber im “Lieblich sein” äußerst erfolgreich ausgebildet wurde und dies auch bühnenwirksam zur Geltung brachte. Ihnen ist das Happy End gewiss.

Bis dahin sind aber noch Hürden zu überwinden, da das Schicksal in Gestalt des Kurtisanenhändlers Lycus (sehr geschäftstüchtig Sigrid Hauser) die liebliche Philia zunächst dem Miles gloriosus zugedacht hatte. Diesen interpretierte, seine Muskeln spielen lassend, der groß gewachsene und körperlich alle überragende Florian Spiess. Der auf der Suche nach seinen von Piraten entführten Kindern alt gewordene Erronius (Gernot Kranner) sorgt letzten Endes für die Auflösung aller Verwicklungen, indem er diese in Philia und dem Miles gloriosus erkennt.

Für Hollywood-Glamour sorgten mit zum Teil akrobatischen Leistungen die Tänzerinnen der sechs Kurtisanen. Komplettiert wurde das Ensemble durch “drei Männer“, die in rasanten Kostümwechseln Jünglinge, Eunuchen, Amoretten und Soldaten verkörperten. Das Bühnenbild wie auch die Kostüme erinnerten ein bisschen an Asterix.

Insgesamt ein Spaß, den sich niemand entgehen lassen sollte, denn “morgen wird es tragisch, heute wird gelacht!”

IOCO / CHK + MK / 17.12.2011

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