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Wuppertal, Wuppertaler Bühnen, Der fliegende Holländer, IOCO Kritik, 22.09.2011


Kritik

Wuppertaler Bühnen

Richard Wagner “Der fliegende Holländer”, Premiere 18.09.2011

Bes. Vorstellung am 22.09.2011

Wuppertaler Bühnen Der fliegende Holländer Foto Stratmann Chor und Extrachor der Wuppertaler Bühnen mitte: Christian Sturm rechts: Michael Tews Wuppertaler Bühnen Der fliegende Holländer Foto Stratmann vorne: Allison Oakes Chor und Extrachor der Wuppertaler Bühnen Wuppertaler Bühnen Der fliegende Holländer Foto Stratmann vorne / v.l.n.r. Joslyn Rechter, Allison Oakes Hinten / v.l.n.r. Dorothee Fischer, Ute Temizel (Chor) 

Wer schaurigschöne, romantische Bilder in dieser Neuinszenierung von Richard Wagners 1843 uraufgeführten romantischen Oper “Der fliegende Holländer” erwartet hatte, war sicherlich arg enttäuscht. Kein hoch aufragendes Holländer-
Schiff, selbst Dalands kleinere Barke war nur an den Seilen zum Festmachen zu erahnen. Hocker gab es für die Damen in der Spinnstube, sonst nichts. Die Bühne war nackt und leer. Es wurde auch nicht gesponnen, man häkelte.

Vier Balken, bestückt mit Scheinwerferbatterien, variabel einsetzbar, suggerierten mit einer ausgeklügelten, raffinierten Lichtregie dem Zuschauer den jeweiligen Schauplatz (Bühne und Lichtdesign: Guido Petzold). Der Regisseur Jakob Peters-Messer verzichtete ganz konsequent auf alles, was den Blick auf das Drama stören könnte.

Das Drama findet in den Menschen statt, in ihren seelischen Befindlichkeiten. Peters-Messer sieht Senta nicht als somnambule Traumtänzerin, sondern als eine junge Frau, die ausbrechen will aus dem starren, kleinbürgerlichen Mief und weg von des Vaters Raffgier. Sie hat ein Bild, ein Ziel vor Augen. Als dann der Vater mit dem Holländer erscheint, sieht sie in ihm ein Mittel, sich zu lösen. Sie ist wie er ein Außenseiter. Er will Ruhe finden, Erlösung von seinem grausamen Schicksal, von einem Fluch der ihn zum Untoten macht, den nur “ein bis in den Tod treues Weib” erlösen kann.

Alle anderen Personen der Handlung sind mehr oder minder Statisten, Stichwortgeber. Dem Regisseur gelang es sehr gut, dies alles umzusetzen, dem Betrachter plausibel zu machen. Und er tat gut daran, beim Zuschauer Fantasie vorauszusetzen. Doch was besonders angemerkt werden muss, es war eine ungeheure Spannung da, die anhielt bis zum Ende und die auch durch keine Pause unterbrochen wurde. Es wurde durchgespielt.

Die Kostüme, die Sven Bindseil entwarf (streng schwarz-weiss, biedermeierlich bei den “Menschen”, bizarr das des Holländers und seiner zombiehaften Mannen), konnten gefallen.

Wuppertaler Bühnen Der fliegende Holländer Foto Stratmann Kay Stiefermann Wuppertaler Bühnen Der fliegende Holländer Foto Stratmann v. l. n. r. Allison Oakes, Miriam Ritter Chor und Extrachor der Wuppertaler Bühnen Wuppertaler Bühnen Der Fliegende Holländer Foto Stratmann Kay Stiefermann, Michael Tews, Allison Oakes,

Außerordentlich gut geriet auch die musikalische Seite der Produktion.
Der Chor zeigte sich in Höchstform (Einstudierung: Jens Bingert).
Hilary Griffith und das prächtig disponierte Wuppertaler Sinfonie-Orchester spielten einen Wagner vom Feinsten. Die Klang-Balance war optimal. Vorbildlich, wie Griffith auf die Sänger einging, ihnen einen Klangteppich bereitete und immer bemüht war, schlank musizieren zu lassen, um niemanden zuzudecken.

Davon profitierte insbesondere der Sänger der Titelpartie. Für Kay Stiefermann war es meines Wissens ein Rollendebüt. Der junge Sänger gestaltete die Figur des zerrissenen, zur ewigen Verdammnis verurteilten Seemanns sehr eindringlich. Unterstützend dazu kamen seine bizarre Gewandung, die Tattoos und der außergewöhnliche Kopfschmuck. Auch stimmlich konnte er gefallen. Er war sehr textverständlich und phrasierte äußerst musikalisch. Doch dürfte die Rolle im Moment für ihn noch eine Grenzpartie sein. Er hat absolut den stimmlichen Umfang für die Partie. Zu wünschen wäre ihm noch etwas mehr Farbe und Volumen.

Mit einer sehr intensiv gestalteten Senta erfreute Allison Oakes. Die Stimme wird sehr schlank geführt und ist sehr durchschlagskräftig. Im oberen Register wird es manchmal grell. Sehr glaubwürdig verkörperte sie die aus den starren Zwängen ausbrechende junge Frau.

Fabelhaft in Stimme und mimischer Beredsamkeit war Michael Tews als Daland, Sentas Vater. Eine sehr schöne Stimme ließ Johan Weigel in der Rolle des Jägers Erik vernehmen. Ideal wäre es, wenn seine Höhe offener würde.
Joslyn Rechter als Sentas Amme Mary und Boris Leisenheimer als Steuermann ergänzten das Ensemble.

Das Publikum im leider nur halb besetzen Saal (Das bei der ersten Vorstellung nach der Premiere!) spendete herzlichen Beifall.
 IOCO / UGK / 22.09.2011

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