Wiesbaden, Hessisches Staatstheater Wiesbaden, Maifestspiele Wiesbaden: Lolita 30.4.2011

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Presseinformation

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Deutsche und Deutschsprachige Erstaufführung von Rodion Shechdrin | Komponist kommt zur Premiere

Eröffnungspremiere der Internationalen

Maifestspiele Wiesbaden: “Lolita”

Premiere: Samstag, den 30. April, 19.30 Uhr, Großes Haus
2. Vorstellung: Montag, den 16. Mai, 19.30 Uhr, Großes Haus

Wie in den vergangenen Jahren eröffnet das Hessische Staatstheater Wiesbaden die Inter-nationalen Maifestspiele mit einer Literaturoper: “Lolita” von Rodion Shchedrin, die erst-malig in Deutschland zur Aufführung kommt. Es ist erst die zweite Aufführung des Werkes überhaupt (Uraufführung 1994 an der Königlichen Oper Stockholm) sowie die deutschspra-chige Erstaufführung.

Vladimir Nabokovs berühmten Roman über den Schriftsteller Humbert und seine alles ver-schlingende Leidenschaft für eine zwölfjährige “Nymphette” fasste der russische Komponist Rodion Shchedrin in eine Oper, das Libretto stellte er selbst aus dem Roman zusammen und verwendete ausschließlich Nabokovs Originaltext. Unter Verwendung aller modernen Kom-positionsverfahren verbindet Shchedrin traditionelle und neue Formen. Seine Begeisterung für die russische Folklore und Kunstmusik, Dichtung und Literatur prägt sein Werk und macht ihn zu einem originär russischen Komponisten.

Das Dirigat liegt bei Generalmusikdirektor Marc Piollet, Konstanze Lauterbach, die 2009 die Maifestspiele mit “Lulu” eröffnete, zeichnet für Inszenierung und Kostüme verantwortlich. In den Hauptpartien sind Emma Pearson (Lolita), Sébastien Soulès (Humpert Humpert), Thomas Pifka (Clare Quilty) und Ute Döring (Charlotte Haze) zu erleben.

Das Staatstheater Wiesbaden freut sich sehr, dass Rodion Shchedrin sein Kommen zur Premiere angesagt hat. Er wird begleitet von seiner Ehefrau Maya Plissetskaya, die weltbe-rühmte Primaballerina des Bolschoi-Balletts, die am 1. Mai Ehrengast der Maifestspiel-Ballettgala sein wird.

Lolita

Oper in zwei Akten von Rodion Shchedrin
Libretto vom Komponisten nach dem gleichnamigen Roman von Vladimir Nabokov

Musikalische Leitung Marc Piollet | Inszenierung und Kostüme Konstanze Lauterbach | Bühne Andreas Jander

Mit: Emma Pearson (Lolita), Sébastien Soulès (Humbert Humbert), Thomas Piffka (Clare Quilty), Ute Döring (Charlotte Haze), Merit Ostermann (Mrs. Chatfield / Musiklehrerin), Hye-Soo Sonn (Ihr Ehemann), Stephanie Gooch (Nachbarin im Osten), John Holyoke (Küster), Axel Wagner (Roter Pullover/Portier), Alma De Lon (Dienstmädchen), Inga Jäger, Simone Brähler (Zwei Mädchen), Inga Jäger (Mrs. Pratt), Ayako Daniel (Junge in der Kirche)

Orchester, Herren des Opern- und Extrachores, Jugendchor und Statisterie des Hes-sischen Staatstheaters Wiesbaden

Biografien

Rodion Shchedrin, Komposition und Libretto

Rodion Shchedrin wurde am 16. Dezember 1932 als Sohn eines Komponisten und Musikleh-rers in Moskau geboren. Er besuchte die Chorschule und studierte anschließend am Moskauer Konservatorium bei Jurij Schaporin (Komposition) und Jakow Flier (Klavier); 1955 schloss er seine Studien mit Auszeichnung ab. Trotz seiner Fähigkeiten als Konzertpianist entschied sich Shchedrin früh für eine Karriere als Komponist: Mit Anfang 20 schrieb er seine ersten ambitionierten Werke. 1958 heiratete er die Primaballerina Maya Plisetskaya. Der erste große Erfolg als Komponist stellte sich 1967 mit der Uraufführung des Balletts “Carmen-Suite” am Moskauer Bolschoi-Theater ein. Von 1964 bis 1969 war er Professor für Komposition am Moskauer Konservatorium. 1968 weigerte sich Shchedrin einen offenen Brief zu unterzeichnen, der den Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts in die damalige Tschechoslowakei befürworten sollte. Über ein Jahrzehnt war er Vorsitzender des Komponistenverbandes der Russischen Föderation als Nachfolger Dmitri Schostakowitschs und auf dessen ausdrücklichen Wunsch hin. 1982 besuchte er erstmals den Münchener Kla-viersommer. Mit dem Ende des diktatorischen Regimes in der Sowjetunion konnte Shchedrin, der nie Mitglied der KP war, endlich intensiv am internationalen Musikleben teilnehmen. Seit 1992 lebt der Komponist abwechselnd in München und Moskau.
Shchedrin ist es gelungen, unter Verwendung aller modernen Kompositionsverfahren – ein-schließlich aleatorischer und serieller Techniken – traditionelle und neue Formen miteinander zu verbinden. Seine Begeisterung für die russische Folklore und Kunstmusik, Dichtung und Literatur prägt sein Werk und macht ihn zu einem originär russischen Komponisten. Dies gilt insbesondere für das dritte und fünfte Konzert für Orchester, die Old Russian Circus Music (1989) und die Four Russian Songs (1998). Andere Instrumentalwerke sind Shchedrins Kenntnissen als Pianist geschuldet: die sechs Klavierkonzerte oder Klavier-Solostücke wie die Olli Mustonen gewidmeten Questions (Elf Stücke für Klavier) von 2003. Einige dieser Werke wurden von Shchedrin selbst als Solist zur Uraufführung gebracht. Besonders in Kammermusikwerken zeigt er den kunstvollen Einsatz parodistischer Techniken.

Mit seiner Oper “Die toten Seelen” (nach Gogol, 1976) und den Balletten “Anna Karenina” (nach Tolstoi, Uraufführung 1972), “Die Möwe” (1979) und “Dame mit Hündchen” (beide nach Tschechow, 1985) brachte Shchedrin Klassiker der russischen Literatur auf die Musik-theaterbühne des Moskauer Bolschoi-Theaters. Die Oper “Lolita” setzt ebenfalls einen russi-schen Beitrag zur Weltliteratur in Szene: den gleichnamigen Skandalroman von Vladimir Nabokov. Das Libretto zu der 1994 in Stockholm uraufgeführten Oper stammt aus der eigenen Werkstatt des Komponisten.
Rodion Shchedrin wurde vielfach mit Preisen und Auszeichnungen geehrt. 1983 wurde er Ehrenmitglied der Akademie der Schönen Künste der DDR, zwei Jahre später Ehrenmitglied des International Music Council sowie 1989 Mitglied der Akademie der Künste Berlin. 1992 verlieh ihm Präsident Boris Jelzin Russlands Staatspreis für sein Chorwerk Der versiegelte Engel. Ein Jahr später erhielt Shchedrin den Dmitri Schostakowitsch Preis, 1995 den Crystal Award des World Economic Forums Davos. 2002 wurde er zum “Composer of the year” des Pittsburgh Symphony Orchestra ernannt. Im selben Jahr erhielt er den Russischen Staatsor-den. 2005 wurde er Ehrenprofessor am St. Petersburger Konservatorium, 2008 am Zentralen Konservatorium Peking. “Für Verdienste um das Vaterland” wurde Rodion Shchedrin 2007 mit dem russischen Staatsorden 2. Klasse ausgezeichnet. Zuletzt wurde er in der Kategorie “Beste zeitgenössische klassische Komposition” für die Oper “Der verzauberte Pilger” für den “Grammy 2011″ nominiert.

Marc Piollet, Dirigat

Marc Piollet wurde 1962 in Paris geboren, studierte Dirigieren bei Hans-Martin Rabenstein in Berlin und besuchte Meisterkurse bei John Eliot Gardiner, Michael Gielen, Gerd Albrecht und Kurt Masur. 1995 war er 1. Preisträger des Dirigentenforums des Deutschen Musikrats. Nach Engagements in Halle, Kassel und zwei Jahren als Musikdirektor der Volksoper Wien ist er seit 2004 Generalmusikdirektor der Landeshauptstadt Wiesbaden. Operngastspiele führten ihn an die Wiener Staatsoper, die Hamburgische Staatsoper, die Vlaamse Opera Antwerpen, die Oper Köln, das Théâtre Graslin in Nantes, die Opéra Bastille Paris und die Deutsche Oper Berlin sowie zu den Salzburger Festspielen und ans New National Theatre in Tokio. Nach einer höchst erfolgreichen Neuproduktion von Janá?eks “Jenufa” an der Oper Stuttgart leitete er im Februar 2009 die Premiere eines Opernabends mit Schönbergs “Erwartung” und Bartóks “Herzog Blaubarts Burg” mit großem Erfolg bei Presse und Publikum. Als Konzertdirigent stand Marc Piollet am Pult renommierter Orchester, wie Münchner Philharmoniker, Gewandhausorchester Leipzig, Bamberger Symphoniker, Radio-Sinfonieorchester Frankfurt am Main, Konzerthausorchester Berlin, Dresdner Philharmonie, MDR Sinfonieorchester Leipzig, Mozarteum Orchester Salzburg, Radio-Sinfonieorchester Saarbrücken, Sinfonieorchester St. Gallen, Radiophilharmonie Hannover (NDR) und Münchner Rundfunkorchester. In Frankreich dirigierte er u.a. die Nationalorchester von Lyon, Lille, Bordeaux, Metz und in Belgien das Royal Philharmonic Orchestra Antwerpen. In nächster Zeit wird Marc Piollet am Gran Teatre del Liceu Barcelona, an der Oper Kopenhagen und mit dem Montreal Symphony Orchestra debütieren sowie u.a. Gastspiele an den Opernhäusern in Stuttgart und Hannover geben.

Konstanze Lauterbach, Inszenierung und Kostüme

Konstanze Lauterbach studierte in Leipzig Germanistik, bevor sie an der Studentenbühne der Karl-Marx-Universität Leipzig zu inszenieren begann. Von 1982 bis 1984 arbeitete sie als Regieassistentin in Chemnitz. Es folgten zahlreiche Gastinszenierungen und von 1987 bis 1990 ein festes Engagement in Rudolstadt. Dort inszenierte sie u.a. Georg Seidels “Carmen Kittel” sowie eine Oper von Siegfried Wagner. Von 1990 bis 1999 brachte sie als Hausregis-seurin am Schauspiel Leipzig sechzehn Schauspielinszenierungen heraus, u.a. “Die Beses-sene” von Mark Galesnik (1993 zum Berliner Theatertreffen eingeladen), “Bernarda Albas Haus” von García Lorca (1994 vom ZDF aufgezeichnet) und “Pelléas et Mélisande” von Maurice Maeterlinck. Außerdem arbeitete sie 1996 am Burgtheater Wien (“Tango” von Mrozek, “Mutter Courage” von Brecht), inszenierte für die Wiener Festwochen (“Der aufhaltsame Auf-stieg des Arturo Ui” von Brecht) und am Bayerischen Staatsschauspiel München (“Weiße Ehe” von Rozewicz). 2001 bis 2004 war sie Hausregisseurin am Deutschen Theater Berlin, wo sie u.a. “Bluthochzeit” von Lorca inszenierte. 2004 inszenierte Konstanze Lauterbach an der Semperoper Dresden Bizets “Carmen”. An der Berliner Volksbühne (Tanztheater Johann Kresnik) realisierte sie “Giselle” und 2007 Grillparzers “Libussa” am Düsseldorfer Schau-spielhaus. Manfred Beilharz engagierte sie ans Schauspiel Bonn für Lorcas “Mariana Pineda”. Am Bremer Theater führte sie Regie bei “Sterne am Morgenhimmel” von Alexander Galin, “Doña Rosita bleibt ledig” von Lorca, “Hexenjagd” von Miller, “Armut, Reichtum, Mensch und Tier” von Jahnn sowie im Musiktheater bei “Lady Macbeth von Mzensk” von Schostakowitsch, “Ariane et Barbe-Bleue” von Paul Dukas, “Pelléas et Mélisande” von Claude Debussy und “Der Hofmeister” nach Lenz. Am Hessischen Staatstheater Wiesbaden ist Konstanze Lauterbach seit 2002 im Schauspiel prägend mit Inszenierungen wie “Mädchen in Uniform” von Christa Winsloe, “Die Geierwally” nach dem Roman von Wilhelmine von Hillern, “Bernarda Albas Haus” von Lorca, “Die tätowierte Rose” von Tennessee Williams und Grillparzers “Die Jüdin von Toledo”. Im Musiktheater brachte sie dort im Oktober 2008 Massenets Oper “Werther” heraus, 2009 wurden die Internationalen Maifestspiele mit ihrer Inszenierung von Alban Bergs “Lulu” eröffnet.
Konstanze Lauterbach erhielt zahlreiche Preise. 1993 wurde sie von der Zeitschrift “Theater heute” als “Nachwuchsregisseurin des Jahres” ausgezeichnet, 1997 erhielt sie den Preis des deutschen Kritikerverbandes. 2002 wurde sie für ihre Theaterarbeit mit dem Caroline-Neuber-Preis der Stadt Leipzig ausgezeichnet. Ihren unverwechselbaren, unmittelbar körperlichen Regiestil rühmte der Berliner Tagesspiegel mit den Worten: “Konstanze Lauterbach inszeniert Theater als Fest für alle Sinne”.

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