Linz, Landestheater Linz, Premiere Die Winterreise Ballett in zwei Teilen von Jochen Ulrich 26.2.2011

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Presseinformation

Landestheater Linz

Die Winterreise

Ballett in zwei Teilen von Jochen Ulrich

Musik von Heinz Winbeck:
Lebensstürme – Ein Quodlibet mit und nach Musik von Franz Schubert; 7 Lieder aus Die Winterreise von Franz Schubert (Orchestrierte Fassung von Heinz Winbeck); Winterreise – Stationen für 19 Solostreicher

Leitungsteam

Musikalische Leitung Dennis Russell Davies / Takeshi Moriuchi
Choreografie und Inszenierung Jochen Ulrich
Bühne und Kostüme Gottfried Pilz
Dramaturgie Julia Zirkler
Besetzung

Der Gastgeber Ziga Jereb
Sein/e Sänger/in Martin Achrainer / Katerina Hebelkova

Die Braut Clara Pascual Martí, Ihre Mutter Irene Bauer, Ihr Vater Fabrice Jucquois, Ihre Schwester Anna Št?rbová, Ihr Stiefbruder Wallace Jones, Ihr Onkel Daniel Morales Pérez

Der Bräutigam Matej Pajgert, Seine Mutter Sarah Deltenre, Sein Vater Alexander Novikov, Sein Bruder Emilijus Miliauskas, Seine Cousine Lucia Patoprstá, Seine Schwägerin Marietta Kro, Die Pianistin Maki Namekawa
Solo-Klavier Maki Namekawa

Bruckner Orchester Linz

Zum Ballettabend

Jochen Ulrich verbindet in seinem neuen Ballett elementare Stationen der Freude, der Sehnsucht und des Schmerzes im Leben zweier Familien mit dem Entstehungsumfeld der Winterreise von Franz Schubert. Dieser, von Krankheit gezeichnet, schreibt seinen berühmten Liederzyklus, der zum schönsten und melancholischsten gehört, was die Musikgeschichte zu bieten hat, nur ein Jahr vor seinem frühen Tod. Inmitten seines berühmten künstlerischen Freundeskreises hat er indes nur einen wahren Freund…
Der deutsche Komponist Heinz Winbeck (*1946) hat einige der Winterreise-Lieder für Gesangsstimme und Orchester neu arrangiert. In Kombination mit seiner eigenen Winterreise-Komposition für 19 Solo-Streicher und Horn und der Uraufführung seiner Schubert-Hommage Lebensstürme – Quodlibet entsteht ein Tanzabend über Abgründe und Höhenflüge des Menschlichen.

O-Töne von Jochen Ulrich

Aus einem Interview mit Jochen Ulrich, dem Choreografen der Ballettproduktion
Die Winterreise
Wie sind Sie für WINTERREISE auf den Komponisten Heinz Winbeck gekommen? Aus welchen Musikstücken besteht der Abend?

Dennis Russell Davies hat mich eines Tages zu einer Probe für ein Stiftskonzert in St. Florian eingeladen. Teil des Programms war die Uraufführung von sieben Liedern aus Schuberts Winterreise in der orchestrierten Fassung von Heinz Winbeck, und anschließend eine Winterreise-Fantasie für 19 Solo-Streicher und Horn, auch von Winbeck. Mich hat dieses Werk tief getroffen. Bei dem Konzert habe ich dann Heinz Winbeck kennengelernt und spontan gesagt: “Daraus möchte ich ein Ballett machen”. Nun waren das insgesamt nur 50 Minuten und ich brauchte noch einen ersten Teil für einen ganzen Tanzabend. Ich habe Winbeck dann besucht und er hat mir vorgeschlagen, Franz Schuberts Lebensstürme, ein Werk für Klavier zu vier Händen, zu bearbeiten und zu einem größeren Quodlibet für Orchesterbesetzung zu machen und auch noch weitere Lieder auf meinen Wunsch hin einzubeziehen.
Erzählen Sie in Ihrem Ballett eine konkrete Handlung oder wird es ein abstraktes Ballett? Wie geht eine Rollenfindung vor sich?

Es soll ein Tanzabend mit einer inneren Handlung werden. Der äußere Rahmen ist ein Fest, auf dem zwei Familien zusammentreffen und eine Hochzeit feiern wollen, was völlig misslingt. Meine Arbeit an den Rollen hat damit begonnen, dass ich den Tänzern bei der ersten Anprobe mit dem Ausstatter Gottfried Pilz die Figur nahe gebracht habe, die sie sein sollen. Sie haben dann mit uns eine Erscheinungsform gestaltet, ihren Charakter schon sofort in eine Haltung gesetzt und erste Bewegungsansätze angeboten, aus denen sich ihre jeweilige Tanzsprache für die Figur entwickeln wird.
Inwiefern spielt Schubert und seine Winterreise an diesem Abend eine Rolle?

Der Komponist Franz Schubert gibt mit seiner Winterreise den Grundtenor des Ballettes an. Seine gesellschaftliche Situation im Kreise seiner Freunde und im Verhältnis zu seiner Familie wird ein wesentliches Gerüst, an dem sich meine Phantasie orientiert.
Neben den Tänzern sind auch wieder Sänger an der Produktion beteiligt. Welche Rolle nimmt die menschliche Stimme bzw. der Text an diesem Abend ein?

Stimme und Text sind – wie letztlich jedes Lied von Schubert – ein Spiegel der Seele, sie geben eine Innensicht des Einzelnen. Der Sänger/die Sängerin wird auch konkret Teil der Gesellschaft sein, die ich zeige. Wie etwa bei den Schubertiaden, bei denen der Komponist seine neuesten Lieder seinen Freunden vorgetragen hat.
Sie arbeiten für diese Produktion mit dem Ausstatter Gottfried Pilz zusammen. Wie kann man sich diese Zusammenarbeit vorstellen, ist das eine gemeinsame Entwicklung, und wie inspiriert man sich gegenseitig?

Da es keine vorgeschriebene Handlung gibt, habe ich Gottfried Pilz in vielen Zusammenkünften meine Absichten erläutert. Ich habe die Grundsituation einer langen Festtafel mit vielen Stühlen benannt, ein Raum draußen, wie im Garten oder auf der Terrasse. Er hat dann in seinem Modell die Festtafel ins Unendliche verlängert und einen riesigen Himmel über den Raum gehängt. Alles entsteht im Dialog und in einer Hingabe an den Kosmos Franz Schubert.

Biografien

Dennis Russell Davies – Musikalische Leitung

wurde in Toledo (Ohio) geboren und studierte Klavier und Dirigieren an der New Yorker Juilliard School. Seine Tätigkeit als Dirigent in Oper und Konzert, als Pianist und Kammermusiker ist gekennzeichnet durch ein breit gefächertes Repertoire, das vom Barock bis zur jüngsten Moderne reicht, durch spannende und durchdachte Programm-Konstellationen und durch eine enge Zusammenarbeit mit Komponisten wie Luciano Berio, William Bolcom, John Cage, Manfred Trojahn, Philip Glass, Heinz Winbeck, Laurie Anderson, Philippe Manoury, Aaron Copland, Hans Werner Henze, Michael Nyman und Kurt Schwertsik. Nach seinen ersten Positionen als Chefdirigent des Saint Paul Chamber Orchestra (1972-80) und des American Composers Orchestra, New York (1977-2002) übersiedelte er 1980 nach Deutschland und Österreich. Es folgten Generalmusikdirektoren-Posten am Württembergischen Staatstheater Stuttgart (1980-1987) und beim Orchester der Beethovenhalle, dem Internationalen Beethovenfest und der Oper Bonn (1987-1995). 1997-2002 war er Chefdirigent des Radio Symphonie Orchesters Wien, wurde 1997 als Professor an das Mozarteum Salzburg berufen und war von 1995-2006 Chefdirigent des Stuttgarter Kammerorchesters. Seit 2002 ist Dennis Russell Davies Chefdirigent des Bruckner Orchesters Linz und Opernchef am Landestheater Linz, wo er zahlreiche Produktionen leitete. Internationale Beachtung fanden unter seinen zahlreichen CD-Einspielungen diejenigen mit den Sinfonien Bruckners und den Werken von Philip Glass. Als Gast dirigierte Davies u. a. die großen Orchester in Cleveland, Philadelphia, Chicago, San Francisco, Boston und New York, während er in Europa mit Klangkörpern wie dem Gewandhausorchester Leipzig, der Academia di Santa Cecilia Roma, dem Orchestra Filarmonica della Scala Milano, den Münchener und Berliner Philharmonikern sowie dem Concertgebouworkest Amsterdam arbeitet. Nach seinem Debüt bei den Bayreuther Festspielen (1978-80) dirigierte er bei den Salzburger Festspielen, dem Lincoln Center Festival New York, in der Lyric Opera of Chicago, der Metropolitan Opera New York, der Opéra National de Paris, der Houston Grand Opera, der Hamburger und in der Bayerischen Staatsoper.

Jochen Ulrich – Choreografie und Inszenierung

beginnt seine Laufbahn 1967 als Tänzer beim Ballett der Kölner Oper nach einer Ausbildung am dortigen Institut für Bühnentanz. Hier entstehen auch seine ersten Ballette für Studio-Aufführungen, die ihm 1970 den Berliner Kritikerpreis einbringen. Er ist Mitbegründer des Tanz-Forums Köln, das 1971 als erste moderne Tanzkompanie in Deutschland an der Kölner Oper entsteht und dessen Stil Jochen Ulrich seit 1979 als künstlerischer Leiter und Chefchoreograf entscheidend geprägt hat.
Ein klarer, akrobatisch technisch orientierter Tanz, der sich jeweils dem gewählten Thema entsprechend neu ordnet und so jedem Werk eine unverwechselbar eigene Form gibt, kennzeichnet Jochen Ulrichs Ballette. Internationale Tourneen und Gastspiele sowie Einladungen als Gastchoreograf in zahlreiche Länder haben Jochen Ulrichs Arbeit international bekannt gemacht. In Köln hat er 15 Jahre lang bis 1985 durch die “Internationale Woche des Modernen Tanzes” in Deutschland ein Fenster für die wichtigsten internationalen Entwicklungen im Modernen Tanz geschaffen.
Von 2000 bis 2006 arbeitet Jochen Ulrich als Künstlerischer Leiter des Tanztheaters am Tiroler Landestheater in Innsbruckn. Mit dem Ballett der Wiener Staatsoper entsteht für das Neujahrskonzert 2001 der Wiener Philharmoniker der Tanzfilm Lanners Traum Tänze für den ORF. Seit der Spielzeit 2006/2007 ist Jochen Ulrich Ballettdirektor am Landestheater Linz, wo er unter anderem Nussknacker und Mausekönig, Lorenzaccio, Coppelia, Campo Amor, Dornröschen und – gemeinsam mit Fabrice Jucquois – Ich tanze mir dir in den Himmel hinein choreografiert hat. In der Spielzeit 2008/2009 war seine Arbeit Fidelio – Ein Ballett als Gastspiel am Theater an der Wien zu sehen. Mit seinem Ballett Lorenzaccio waren Jochen Ulrich und die Linzer Ballettkompanie im Jänner 2010 in Ljubljana zu Gast. In der vorigen Saison 2009/2010 war Ulrich mit den Neu-Inszenierungen von Kafka Amerika und Cinderella am Spielplan des Landestheaters Linz vertreten.

Gottfried Pilz – Bühne und Kostüme

Gottfried Pilz wurde bekannt durch zahlreiche Ur-, Erst- und Wiederaufführungen selten gespielter, vergessener oder lange verbotener Werke, wie z. B. in Bielefeld in den 1980er Jahren mit Meyerbeers Hugenotten (Berlin 1987, London 1991), Halevys Die Jüdin (Bielefeld 1989, Wien 1999, Tel Aviv 2000, New York 2003, Venedig 2005), Enescus Oedipe (Berlin 1996, Wien 1997, Bukarest 2001) u. a. Vermehrt auch tätig als Regisseur – in Erinnerung geblieben sind u. a. die deutsche Erstaufführung von Messiaens St. Francois d’Assise (Leipzig 1998), Tschaikowskys Pique Dame erstmals szenisch in Los Angeles 2001 und 2004 in Madrid – arbeitete er in den letzten Jahren hauptsächlich in den USA, Griechenland, Italien und Spanien und hatte außerdem zahlreiche Ausstellungen in St. Petersburg, Berlin, zuletzt 2010 in Wien.
Im August/September 2011 wird die erste Gesamtaufführung von Wagners Ring an der finnischen Nationaloper (Inszenierung Götz Friedrich) wiederaufgenommen.
Am Landestheater Linz zeichnete Gottfried Pilz in der Spielzeit 1999/2000 für Inszenierung, Bühne und Kostüme von Beethovens Fidelio verantwortlich.

Heinz Winbeck – Komposition

Heinz Winbeck wurde 1946 in der Nähe von Landshut geboren. Er studiert am Richard-Strauss-Konservatorium in München Klavier und Dirigieren sowie an der Staatlichen Hochschule für Musik in München Komposition. Winbeck beginnt seine Laufbahn als Schauspielkapellmeister und -komponist u.a. in Ingolstadt. Seit 1988 leitet er als Professor eine Kompositionsklasse an der Staatlichen Hochschule für Musik in Würzburg. In seinem kompositorischen Schaffen, das neben kammermusikalischen Werken auch vier Sinfonien umfasst, nimmt Winbeck immer wieder auch Bezug auf andere Komponisten und Dichter. So entstanden 1979 etwa die Lenau-Fantasien für Violoncello und Kammerorchester, 1982 die “Drei Fragmente für Orchester” Denk ich an Haydn sowie instrumentale wie Liedkompositionen zu Gedichten von Nelly Sachs, Paul Celan und Georg Trakl. Heinz Winbeck erhielt zahlreiche Preise, darunter 1985 den Musikpreis der Akademie der Schönen Künste Berlin und 1988 die Einladung, als Composer-in-residence beim Cabrillo Music Festival nach Kalifornien zu gehen.
In Linz wurden 2010 zuletzt seine Drei Fragmente unter Verwendung von Motiven insbesondere des Finales der 9. Sinfonie von Anton Bruckner unter dem Titel Jetzt und in der Stunde des Todes vom Bruckner Orchester unter Dennis Russell Davies uraufgeführt.

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