Wuppertal, Wuppertaler Bühnen, Premiere Joseph Haydn – Unverhofft in Kairo (L`Incontro improvviso), IOCO Kritik, 08.01.2011

<img alt=”” src=”http://www.ioco.de/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2009/01/ioco.png” />
Kritik

Wuppertaler Bühnen

Joseph Haydn “Unverhofft in Kairo” (L`Incontro improvviso)

Premiere am 08.01.2011

Wuppertaler Bühnen Joseph Haydn “Unverhofft in Kairo” (L`Incontro improvviso) Foto Rothweiler

Von den rund ein Dutzend Opern, die Haydn hinterlassen hat, ist keine über längere Zeit auf den Spielplänen gewesen und kaum eine ist heute im gängigen Repertoire zu finden. Allein dieses Werk, das wie die meisten Opern Haydns in Eszterhaza entstand, dort 1775 uraufgeführt wurde und zum Genre der damals modischen Türkenopern gehörte, hat danach wenige Aufführungen erlebt. Von einer Aufführung in Budapest 1780 in deutscher Sprache existiert eine Originalhandschrift in der Oestereichischen Nationalbibliothek in Wien.

Wuppertaler Bühnen Joseph Haydn “Unverhofft in Kairo” (L`Incontro improvviso) Foto RothweilerAuf dieser fußt diese Fassung von Jakob Peters-Messer, der seine Inszenierung unbedingt in deutscher Sprache aufführen wollte, da die Idee bestand, die Rolle des Pascha, der im Original nur in der Schluss-Szene auftritt, auszubauen. Das Ergebnis war ein reflektierender Text, von einem (türkischen) Schauspieler (Selim Dursum, mit prägnanter Deklamation) in türkischer Sprache gesprochen und in die ganze Handlung integriert war. Er wurde dabei von einem Ud-Spieler begleitet. Ibrahim Emin Izgiapl spielte auf dieser Kurzhalslaute Improvisationen über alte osmanische Musik.

In den deklamierten Passagen stoppte natürlich die musikalische Handlung und die Augen der Zuschauer richteten sich nach oben zur Übertitelung, um die deutsche Übersetzung des türkischen Textes zu lesen. Das war nicht sehr glücklich. Zumal auch in Messers Personenführung bei den reichlich gesungenen Arien und Ensembles doch vielfach Leerlauf entstand, der schon manchmal ermüdend wirkte.

Wuppertaler Bühnen Joseph Haydn “Unverhofft in Kairo” (L`Incontro improvviso) Foto RothweilerDie Handlung ist simpel. Ali, ein orientalischer Prinz, Bruder des Königs, ist in Ungnade. Er liebt Rezia eine persische Prinzessin. Sie wurden durch einen Piratenüberfall getrennt. Rezia ist in Kairo dem Sultan im Harem gefügig. Ali irrt ziellos durch die Straßen Kairos. Sein Diener Osmin landet bei Bettelmönchen, die ihr Erbetteltes abends ihrem Chef Kalander abliefern müssen. Zufällig trifft Rezias Vertraute Balkis Ali auf der Straße. Namenlose Freude! Nun beginnt ein allgemeines Prüfen der Treue. Alle sind einbezogen, auch der Sultan lässt prüfen. Doch es gibt ein Happyend. Großes allgemeines Verzeihen. Das ganze qui-pro-quo wird aber durch Haydns großartige Musik und deren Melodienreichtum geadelt.

Gut bespielbar war das Bühnenbild von Markus Meyer (der auch die Kostüme entwarf). Ein runder Turm auf der Drehbühne mit zwei zentralen Öffnungen, einigen Türen, einem großen Diwan und nicht zu vergessen einem übergroßen Kamel.

Größtenteils zufriedenstellend war die musikalische Komponente.

In bester Spiellaune präsentierte sich das Wuppertaler Sinfonieorchester, das unter der stringenten, vorwärtsdrängenden Leitung von Florian Frannek zu einer sehr erfreulichen Leistung fand.

Bei den Sängern gefielen insbesondere Banu Böke als Rezia, sowie Christian Sturm als Prinz Ali. Ganz ausgezeichnet auch Dorothea Brandt (Balkis), Miriam Scholz (Dardane) und Miljan Milovic (Kalander).

Eine ansprechende darstellerische Leistung zeigte Boris Leisenheimer als quirliger Diener Osmin.

Das nicht sehr zahlreiche Publikum spendete viel Beifall für alle.

IOCO / UGK / 08.01.2011

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>